Geschichten für die Trauerfeier/gemeinsames Gebet

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Geschichten für die Trauerfeier/gemeinsames Gebet

Geschichten und Gedichte für die Trauerfeier

oder das gemeinsame Gebet

Abschied von der kleinen Raupe

 – von Heike Saalfrank

Geschichte um Miteinander und Trennung, um Freude und Trauer, die den Tod als Anfang, als Beginn eines Lebens, zeichnet.

 

Auf einer großen Wiese am Waldrand lebten einmal zwei Freunde.

Sie hießen Schmatz und Schmierle.

Schmatz war eine kleine Raupe. Sie wohnte in einer schönen Blume. Schmierle war ein kleiner Schneck, und trug sein Haus immer auf dem Rücken mit sich herum.

Die beiden waren richtig dicke Freunde. Jeden Morgen, sobald Schmierle aufgewacht war, schüttelte er sacht an Schmatz’s Schlafblume und rief: „Guten Morgen, Schlafmütze! Was machen wir heute?“ Dann kam Schmatz am Stängel heruntergeklettert. Die beiden Freunde streiften bis zum Abend miteinander durch die Gegend und hatten eine Menge Spaß zusammen.

Eines Tages hatte Schmatz keine Lust, herumzustreifen. Deshalb blieben die beiden bei Schmatz‘ Blume, knabberten Salat, Kohlblätter und Erdbeeren und unterhielten sich bis lange in den Abend hinein. Als sie sich schließlich verabschiedeten, wurde Schmatz ganz erst und sagte: „Irgendwie fühle ich mich heute anders als sonst. Ich spüre, dass mein Raupenleben sich ändert. Das geschieht mit uns Raupen irgendwann. Gute Nacht, Schmierle“!

Schmierle kroch nach Hause und verstand nicht, was Schmatz bei ihrer Verabschiedung gesagt hatte. „Morgen früh frage ich sie gleich, wie sie das gemeint hat mit dem Raupenleben, das sich verändern muss“. Als er am nächsten Tag seine Freundin rief, bekam er keine Antwort. Er schüttelte an Schmatz‘ Blume, aber alles blieb still. Was war nur mit ihr? Sie kam doch sonst immer, wenn er sie weckte. Da fiel ihm wieder ein, was Schmatz am Abend vorher zu ihm gesagt hatte. Was war nur geschehen?

Schmierle war traurig. Nach einer Weile spürte er, wie jemand an sein Haus klopfte. Als er sich umdrehte, sah er die alte, weise Schnecke Lale. „Warum weinst du denn?“, fragt sie. Da erzählte Schmierle von seiner Freundin Schmatz, was sie am Abend zu ihm gesagt hatte und dass sie heute nicht gekommen war. Lale wiegte ihren Kopf hin und her und sagte schließlich: „Ich will dir erklären, was passiert ist. Schmatz ist gestorben.“

„Was ist das – gestorben?“, fragte Schmierle. „Das heißt, dass für sie ein anderes Leben angefangen hat, an einem anderen Ort. Sie ist nicht mehr hier, und sie wird auch nie mehr wiederkommen. Niemand weiß wo dieser Ort ist, auch ich nicht. Das einzige, was ich weiß, ist, dass er sehr schön ist und dass es ihr dort gut geht.“

Doch Schmierle konnte nicht aufhören zu weinen „Sei kann doch nicht einfach weg sein“, schluchzte er.

Lale sagte: „Das ist sehr schwer zu verstehen. Aber wenn du an sie denkst, ist sie in Gedanken bei dir. Auch wenn deine Freundin weg ist, die Erinnerungen an sie werden bleiben.“ Schmierle verstand das zwar nicht ganz, aber Lales Worte trösteten ihn trotzdem.

Auf der großen Blumenwiese fand Schmierle schon bald neue Freunde. Trotzdem dachte er noch häufig an die schönen Erlebnisse, die er und Schmatz gehabt hatten. Ab und zu kam es ihm dann so vor, als ob seine Freundin gar nicht so weit weg war.

Was aber war mit Schmatz geschehen, als sie gestorben war? Sie hatte Flügel bekommen, war plötzlich ganz leicht und musste nicht mehr auf dem Boden kriechen. Sie flog als Schmetterling durch den Tag, und das war schöner als alles, was sie bisher erlebt hatte.

Aus dem Buch von Heike Saalfrank

Die Geschichte vom kleinen Licht

Wo bist Du ? Frage ich das kleine Licht
Hier bin ich ! Mama, spürst Du mich nicht ?
Ich spüre Dich, doch sehe ich Dich nicht,
entgegne ich dem Licht und höre, wie es spricht:
Es zählt nicht, was Du siehst oder nicht,
wichtig ist nur, Du spürst mein Licht
in Dir, Mama, nicht äußerlich !
Ich spüre Dich deutlich, innerlich.
Zum Greifen nah, fehlt nur ein Stück.
Zum richtigen Glück.
Warum bist Du gegangen, mein kleines Licht,
so traurig bin ich, ohne Dich.
Ach Mama, so weine doch nicht.
Ich bin in Sicht, schließe die Augen und fühle mich,
ich bin ganz nah.
Warum ? Ich wieder frag,
warum nur gehst Du, kleines Licht,
lässt mich im Stich, ich liebte Dich !
So lieb mich weiter, ich bin doch da !
Warum ? Ist alles, was aus mir spricht,
und so erklärt mir das kleine Licht:

Nicht traurig sein Mama, ich liebe Dich.
Der kleine Körper, ich besaß, der wollte nicht,
hinderte mich zu werden was ich werden wollte,
Dein gesundes kleines Licht.
Nie wollte ich verlassen Dich, doch musste ich,
wollte doch nicht krank sein Mama,
verstehst Du mich ?
Schmerzlich erkläre ich dem Licht,
am Verstehen scheitert es nicht,
nur tut es so weh.
Meine Mama, so weine nicht.
Zeit vergeht, bald bin ich wieder in Sicht !
Kämpfe für mich !Ich brauche Dich !Ich liebe Dich !
Mein süßes kleines Licht,
wie kann ich kämpfen um Dich,
Du bist doch schon tot.
Nein Mama, nicht tot bin ich.
Nur Zeit brauche ich, ein bisschen nur,
ich bitte Dich, empfange mich,
gleich herzlich wie beim ersten Mal !

Wie anders außer herzlich könnt ich empfangen Dich,
Du süßestes Licht, sehnsüchtig erwarte ich Dich !
Also dann Mama, nicht traurig sein !
Erwarte mich, bald bin ich Dein.
Mein Licht soll strahlen, richtig hell,
so dass Du nie den Mut verlierst;
tot ist nicht mein Lebenslicht,
nur der Körper musste gehen.
Ich bin bei Dir, ich leuchte Dir,
niemals mehr sollst Du trauern um mich
es gibt keinen Grund.
Du wartest auf mich und ich auf Dich.
Ich liebe Dich.

 

Die Parabel von den Zwillingen im Mutterleib

Gibt es ein Leben nach der Geburt?

Ein Zwillingspärchen unterhält sich im Bauch der Mutter.

Ein Glaubender und ein Zweifler.

Zweifler: Glaubst du eigentlich an ein Leben nach der Geburt?

Glaubender: Auf jeden Fall! Wir wachsen hier drin, damit wir stark werden, für das, was danach kommt.

Zweifler: Das glaub ich nicht! Es kann kein Leben nach der Geburt geben; wie sollte das denn aussehen?

Glaubender: Ich weiß es auch nicht so genau, aber heller wird es sein, als hier, vielleicht werden wir mit unseren Beinen herumlaufen und mit dem Mund essen.

Zweifler: So ein Unsinn! Mit dem Mund essen, was für eine verrückte Idee! Und was soll dann mit der Nabelschnur sein? Wie willst du damit herumlaufen? Dafür ist sie viel zu kurz.

Glaubender: Dass das geht, davon bin ich überzeugt. Es wird eben alles ein bisschen anders sein.

Zweifler: Du weißt nicht, wovon du redest. Vn dort ist noch nie einer zurückgekommen, woher willst du das also wissen? Mit der Geburt ist das Leben zu Ende! Fertig.

Glaubender: Du hast ja Recht, das keiner weiß, wie das Leben nach der Geburt aussieht. Aber dann werden wir unsere Mutter sehen, und sie wird uns alles geben, was wir brauchen.

Zweifler: Mutter? Du glaubst doch wohl nicht an eine Mutter? Wo sollte die denn bitte sein?

Glaubender: Überall um uns. Wir sind und leben in ihr und durch sie.

Ohne sie könnten wir gar nicht sein.

Zweifler: Hast du je etwas von einer Mutter bemerkt, seit wir hier sind? Also gibt es sie auch nicht.

Glaubender: Ab und zu, wenn es ganz still ist, höre ich sie singen. Manchmal kann ich sie auch spüren, wenn sie unsere Welt streichelt.

Auch in den letzten Tagen im Bauch der Mutter bleiben die Angst und die Fragen über das Leben „danach“. Als die Kinder schließlich zur Welt kamen, öffneten sie die Augen und was sie sahen, hätten sie zuvor nicht einmal zu träumen gewagt.

 

Eva

Eva ist die Gründerin und Vorsitzende des Vereins. Sie ist die Mama von unserem Engel Haylie welche am Tay-Sachs Syndrom litt und im April 2018 verstorben ist. Haylie war der Grund warum dieser Verein gegründet wurde und so wurde er in gewisser Weise zu ihrem Vermächtnis. Haylie war ein große Inspiration und wir werden sie nie vergessen.

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